Ich habe mich als Projektingenieurin im Bereich readychain beworben. Im Techniktest erreichte ich bei der Leistungskurve 90 %, und auch im Persönlichkeitstest zeigte ich alle Eigenschaften, die laut Personalabteilung für die Position relevant sind. Beim Probetag trat ich interessiert und respektvoll gegenüber Mitarbeitenden und Vorgesetzten auf. Am Ende des Tages erhielt ich sogar die Rückmeldung, dass der Projektleiter von meinem Fachwissen über Energieketten beeindruckt war.
Bereits am nächsten Tag wurde ich zu einem weiteren Gespräch mit dem Abteilungsleiter eingeladen. Auch dieses Gespräch verlief aus meiner Sicht positiv. Der Abteilungsleiter äußerte, dass ich sowohl fachlich als auch persönlich gut ins Team passe – bis das Gespräch in eine private Richtung abdriftete.
Ich wurde gefragt, ob ich in einer Beziehung sei. Diese Frage beantwortete ich ehrlich, da ich offen mit meinem Umfeld umgehen möchte und beispielsweise auch nicht jedes Mal meinen Ehering abnehmen will, wenn ich zur Arbeit gehe. Danach folgten weitere persönliche Fragen, etwa nach dem Beruf meines Partners. Außerdem wurden geschlechtsspezifische Klischees in Form von Witzen geäußert, wie etwa, dass man Frauen nicht nach ihrem Lieblingsauto fragen könne. Auch wurde meine vegetarische Lebensweise kommentiert – mit der Aussage, ich würde damit meine Gesundheit gefährden.
Am darauffolgenden Werktag erhielt ich eine Absage – mit der Begründung, dass man sich für einen männlichen Bewerber entschieden habe. Auf meine Nachfrage hin wurde mir lediglich mitgeteilt, ich solle “nicht zu viel darüber nachdenken”.